Wolfgang Kil Architekturkritiker und Publizist



Das Wunder von Leinefelde

Eine Stadt erfindet sich neu

mit Texten von Iris Reuther und Ulrike Steglich
sowie einem Fotoessay von Gerhard Zwickert

Sandstein-Verlag
Dresden 2008

The Marvel of Leinefelde
Englische Ausgabe, ebenda 2008

Japanische Ausgabe 2009

164 Seiten, zahlreiche Abbildungen
ISBN 978-3-937602-94-3


Wem in Ostdeutschlands Städten das zähe Ringen mit dem Wohnungsleerstand aufs Gemüt schlägt, der kann sich an Leinefelde wieder aufrichten. Hier war Abriss nie das letzte Wort. Die Botschaft, die von diesem Ort ausgeht, ist alles andere als deprimierend: Es geht auch ohne Wachstum! Positive Stadtentwicklung ist nicht länger ausschließlich an mehr Siedlungsflächen oder Zuwächse an Einwohnern und Geschäften geknüpft. Im Wenigerwerden lassen sich tatsächlich Chancen finden – hier wurde die oft gebrauchte Tröstungsformel endlich einmal eingelöst. Dass unvermeidliche Schrumpfungsfolgen durch entschlossenes Handeln einzudämmen und womöglich durch andere Qualitäten aufzuwiegen sind, lässt sich beim Rückbau der Leinefelder Südstadt wie in einem großen Laborexperiment verfolgen.

Dieses Experiment anschaulich darzustellen, nach den Konditionen seines Gelingens wie nach den Chancen seiner Verallgemeinerbarkeit zu fragen, hat sich dieses Buches zum Ziel gesetzt.

Klappentext

Rezensionen:

Dass es [beim Stadtschrumpfen] anders geht, zeigt „Das Wunder von Leinefelde“, das von Wolfgang Kil nun mit einem Buch gewürdigt wurde. Informativ bebildert, in seiner chronologischen Gesamtentwicklung wie in Einzelobjekten vorgestellt, wird hier der Prozess der Stadt, die sich 2004 mit dem benachbarten Worbis zu Leinfelde-Worbis zusammengeschlossen hat, vorgestellt. Als eine der wenigen zeigte sie, dass tatsächlich Chancen im Schrumpfen liegen, dass es dafür aber auch Mut, Entschlossenheit und Hartnäckigkeit bedarf. Das Wohlwollen, das Wolfgang Kil sowie Iris Reuther und Ulrike Steglich, als weitere Autoren, dieser Stadt entgegenbringen, hat sie sich redlich verdient.
Christian Holl in www.germanarchitects.de


Spricht man von positiven Ergebnissen des Stadtumbaus im Osten Deutschlands, wird sofort Leinefelde als Synonym für hohe Bau­- und Planungskultur, als das Vorzeige- und Exkursionsobjekt ins Gespräch gebracht.

Wenn Wolfgang Kil, einer der bedeu­tendsten Chronisten des Stadtumbaus („Luxus der Leere“ und Dokumentarfilm „nicht mehr / noch nicht“), ein Buch mit dem Titel „Wunder von Leinefelde“ auf den Markt bringt, dann gilt es aufzumerken, dann dürfen keine Plattheiten enthalten sein. Letzteres wird schwierig, wenn die Stadt Leinefelde das Buch sponsert oder zumindest als Herausgeber fungiert. Doch selbst das ist Wolfgang Kil gelungen, anscheinend in einer Gratwanderung, denn merkwürdigerweise wird das nackte Zahlenwerk zur Stadt – Bevölkerungsentwicklung, Prognose, Bevölkerungsstruktur, Abrisszahlen, Pendlerbewegung, Arbeitsplätze und ihre Entwicklung – fast vollständig ausgeklammert.

Gelungen ist ganz sicher die Aufbereitung einer Materialfülle eines Stadtumbaus, der zum einen früher als anderswo einsetzte und zum anderen deutlicher als die meisten anderen Städte den Abriss bzw. Teilabriss thematisierte. Insbesondere das Fotoessay von Gerhard Zwickert verdeutlicht in einer Fülle von Aufnahmen den Stadtumbauprozess …
Rainer Bohne in „PlanerIn“ Nr. 3/2008