Wolfgang Kil Architekturkritiker und Publizist

„Straße in Tbilisi“, 2016

Foto: W. Kil
 

Zitat des Monats

Aufarbeitung bedeutet Aufklärung – nicht Vergeltung. (Karsten Krampitz)

Neuigkeiten/Empfehlungen

 
14. Januar 2020
„Vom Wert der Denkmäler nach dem Bildersturm. Über Kriegsgedenken in der Sowjetunion jenseits des Heldenruhms“
Ringvorlesung von Wolfgang Kil im Rahmen des Graduiertenkollegs „Identität und Erbe“ (öffentlich)
Technische Universität Berlin, Straße des 17. Juni 135, Hauptgebäude, Hörsaal 112.
18.30 Uhr s.t.
 
 
Kleiner Denkanstoß zu aktuellen Berliner Grundsatzdebatten:
„Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziele zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirtschaftsheimstätte zu sichern. [...]
Grundbesitz, dessen Erwerb zur Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses, zur Förderung der Siedlung und Urbarmachung oder zur Hebung der Landwirtschaft nötig ist, kann enteignet werden. [...]
Die Wertsteigerung des Bodens, die ohne eine Arbeits- oder eine Kapitalaufwendung auf das Grundstück entsteht, ist für die Gesamtheit nutzbar zu machen.
Alle Bodenschätze und alle wirtschaftlich nutzbaren Naturkräfte stehen unter Aufsicht des Staates.“
(Artikel 155 der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919)
 
 
Gute Nachricht aus Potsdam: Glockenspiel der Garnisonkirche abgeschaltet
Nachdem zahlreiche prominente Unterzeichner in einem offenen Brief Mitte August die revisionistischen und militaristischen Widmungen der Glocken kritisierten, hat die Stadt Potsdam gemeinsam mit der Stiftung Garnisonkirche am 5. September das Glockenspiel der Garnisonkirche bis auf weiteres abgeschaltet.
Zugleich kündigten die Initiatoren des Offenen Briefes die Realisierung eines unabhängigen „Lernorts Garnisonkirche Potsdam“ an, in dem die problematische Seite der Kirchen- und Wiederaufbaugeschichte wissenschaftlich fundiert dargestellt werden wird. Gemeinsam mit der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Prof. Steffen Schuhmann) werden die Universität Kassel (Prof. Philipp Oswalt) und die Martin Niemöller-Stiftung ein digitales Informationsportal im Internet sowie einen analogen Informationsort bis März 2020 realisieren. Das Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum am Standort der ehemaligen Garnisonkirche ist als möglicher Ort angefragt. (Quelle: Pressemitteilung Philipp Oswalt vom 10.9.2019)
Terminempfehlung: Mittwoch, 4. Dezember 2019, 19 Uhr - Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin Podiumsgespräch mit Thomas Albrecht, Architekt der Garnisonkirche Potsdam; Wolfgang Huber, ehemaliger Bischof Berlin-Brandenburg; Saskia Hüneke, Kunsthistorikerin; Detlef Karg, Landeskonservator Brandenburg a.D.; Philipp Oswalt, Mitinitiator der Petition und Hildegard Rugenstein, Pastorin. Eintritt € 6/4, Tickets: www.adk.de/tickets, Reservierung: Tel. 030 200 57-2000, ticket@adk.de
 
 
Gute Nachricht aus Dresden: Robotron-Kantine bleibt.
Seit Ende 2016 ist die ehemalige Kantine des VEB Robotron ungenutzt. Nachdem zwischenzeitlich ein Abriss zur Debatte stand, haben sich verschiedene Dresdner Akteure für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt und erste Nutzungsideen erarbeitet. Gleichzeitig kristallisierte sich das Gebäude als Leitprojekt für die Bewerbung Dresdens um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ heraus. Im Juli 2019 hat der Stadtrat eine positive Entscheidung zum Erhalt sowie Erwerb des Gebäudes und der Entwicklung einer Nutzungskonzeption unter Berücksichtigung der Nutzungskonzepte Kunsthaus Dresden und der Initiative Open Future Lab getroffen. Angestrebt wird die Schaffung eines "Dritten Ortes", an dem "neue Formen von Kultur" geschaffen werden.
Quelle: Pressemitteilung des Kunsthaus Dresden – Städtische Galerie für Gegenwartskunst. Weitere Informationen: https://www.dresden.de/de/stadtraum/brennpunkte/robotron-kantine.php?pk_campaign=Shortcut&pk_kwd=robotron
 
 
Gute Nachricht aus Frankfurt (Oder): 50er-Jahre-Kino von der Stadt zurückgekauft
Das mehr als 20 Jahre leer stehende „Lichtspieltheater der Jugend“ ist von der Stadt zurückgekauft worden und soll nun ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst werden. Ein kurzer Magazinbeitrag auf rbb24 schildert den dramatischen Verfall des markanten 50er-Jahre-Kulturtempels bis zur Rettung durch einen engagierten Bürgermeister. Großes Augenmerk gilt dem entscheidenden Anstoß, den aktive Bürger zu diesem Sinneswandel städtischer Kulturpolitik gaben. Endlich mal (wieder) eine Story, die Mut macht bei der Rettung des DDR-Bauerbes.
https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/av7/video-altes-kino-in-frankfurt-oder.html
Wer Zeit für die 45-Minuten-Langfassung aufbringt: https://www.ardmediathek.de/rbb/player/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvZG9rdS8yMDE5LTEyLTAxVDIyOjIwOjAwXzA0Zjk3MTUzLTk0ZjUtNGU5OS1iOTgwLWYwMWI3Y2M0ODRmNi9kaWUta2lub3JldHRlcg/die-kinoretter
 
 
Neuerscheinung: ARCH+ features 96: Rechte Räume – Reaktionen
Bei der Arch+ haben sie noch mal nachgelegt: Nachdem ihre Ausgabe 235 „Rechte Räume“ einen wahren Debattensturm im deutschen Feuilleton entfacht hatte, sind einige der wichtigsten Reaktionen auf das weithin als provokativ empfundene Heft zu einem Supplement für die Nachauflage zusammengestellt worden. Die Erwiderungen der von Winfried Nerdinger frontal angegangenen Kollegen Wolfgang Pehnt und Wolfgang Voigt samt Nerdingers nochmaliger Replik zeigen Züge einer akademischen Meinungsschlacht von lange nicht mehr erlebter Theatralik. Umso ergiebiger lesen sich deshalb einige der anderen Beiträge, in denen einzelne Aspekte des Dissens-Knäuels verhandelt werden: Da wird der Traditionalismus-Diskurs hin zu einer umfassenden „politischen Ästhetik“ rechter Bewegungen geöffnet (Regine Heß); nach dem Recht eines jeden Menschen – also auch Architekten – auf politisches Lernen und Meinungswandel gefragt (Ulrich Coenen); auf die Beachtung der „unsichtbaren“, weil „eingebauten“ Intentionen eines Bauwerks bestanden, weshalb etwa Hannes Meyer und Guiseppe Terragni eben nicht für die selbe Moderne stehen (Karin Wilhelm). Torsten Hoffmann schlägt vor, „schwierige“ Autoren (z.B. traditionalistische Architekten) nicht in die „rechte Ecke“ zu stellen, sondern sie dort herauszuholen, um sie den Rechten nicht als unfreiwillige Helfer zu überlassen. Abschließend fordert Stefan Kurath, Architektur endlich wieder als eminent wirksames Gesellschaftsinstrument zu betrachten – eine längst überfällige Kampfansage an den Autonomieanspruch einer Profession, die nur für „das Gute und Schöne“, nicht aber für das Politische zuständig sein will.
Insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre, die den Skandallärm der Arch+ 235 in die erträglicheren Sphären eines soliden Meinungsstreits überführt.
 
ARCH+ features 96: Rechte Räume – Reaktionen
24 Seiten mit Beiträgen von Ulrich Coenen, Regine Heß, Torsten Hoffmann, Fritz Kestel, Stefan Kurath, Winfried Nerdinger, Wolfgang Pehnt, Marc Priewe, Dietrich W. Schmidt, Wolfgang Voigt, Frank R. Werner, Annika Wienert und Karin Wilhelm
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