Wolfgang Kil Architekturkritiker und Publizist

Foto: W. Kil
Der Bau. Zwischen Wille und Verhängnis
Nachbetrachtungen zur Eröffnung des Bauhaus-Museums in Weimar
Mit höchstem staatlichen Aplomb wird ein Museumsneubau feierlich eröffnet, und eine auf Krawall gebürstete Presse überschlägt sich mit vernichtenden Urteilen: „Luftschutzbunker im Germania-Dekor“, „eingehauster havarierter Reaktor“ oder „Deutschlands Avantgarde bekommt in Weimar einen Sarkophag“. Jedoch: Selten war Architekturkritik hilfloser. Ein Papiertiger, der umso lauter brüllt, je weniger Chancen bestehen, am Fait accompli noch irgendwas zu beheben. Eine kollegiale Manöverkritik.
Weimar, klassisch. Foto: W. Kil
Die Demokratie aus der Puppenstube?
"Weimarer Verhältnisse" waren alles andere als beschaulich.
Das Kulissenhaus am Weimarer Theaterplatz soll zu einem „Forum der Demokratie“ erweitert werden, in dem man sich künftig dem Andenken und Erbe der Weimarer Republik widmen will. Das Geld für den dazu geplanten Anbau war bei Baubeginn noch nicht beisammen, und als sich obendrein beim Baugrund Probleme zeigten, hätte vielleicht eine Chance bestanden, das Projekt noch einmal in Ruhe zu durchdenken.
Brauhausberg, histor. Postkarte
Der Mäzen, die Stadt und die Ostmoderne
Restaurant Minsk in Potsdam bleibt
Neues vom Potsdamer Brauhausberg! Im jahrelangen Streit um das „Minsk“ hat es einen Durchbruch gegeben. Die einst strahlend weiße Terrassenanlage war bis zur „Wende“ eines der begehrtesten Restaurants in Potsdam. Inzwischen zum Eldorado der Grafitti-Szene verkommen, soll die Ruine nun vom Software-Unternehmer Hasso Plattner erworben werden. Er will sie in ihre ursprüngliche Erscheinung zurückführen und dann zum privaten Museum für seine Sammlung von DDR-Kunst machen.
Foto: W. Kil
Auch Großsiedlungen eine eigene Geschichte gönnen
Warum aus Neubauten manchmal erst Altbauten werden müssen
Seit Mitte der 1970er Jahre, als die Wiederentdeckung der alten Innenstädte zu einem Paradigmenwechsel im planerischen Denken führte, werden in stadtpolitischen Debatten unentwegt Attacken gegen die Großsiedlung geritten. Andere Zeiten hatten andere Ideale.
Foto: W. Kil
Ein Waterloo für jede Denkmalsidee
Dresdner Lektionen
Der Umbau Dresdens gehört zu den Top-Themen des deutschen Feuilletons, denn in den denkmalpolitischen Debatten Europas hat sich die Totalrekonstruktion der Frauenkirche als genau das Signal erwiesen, das ihre Gegner immer befürchteten: Weil die Kirchenreplik zur nationalen Erfolgsgeschichte wurde, erstritt ein Bürgerverein erfolgreich die Wiederkehr auch des baulichen Umfeldes, und zwar ganz so, wie einst von Canaletto gemalt. Gegen "Schönheit" hatte "Wahrheit" mal wieder verloren.